2. Präsidialbrief – Hercynia Mainz „Freiheit ist das Einzige, was zählt“ (M. Müller-Westernhagen)

Mainz

Sprecher

Die Freiheit muss bewahrt werden! Was ist unter diesem Begriff zu verstehen? Die Definition ist sehr komplex. Freiheit ist nicht nur die Abwesenheit von Zwang und Unterdrückung. Der Begriff benennt in Philosophie und Recht der Moderne allgemein einen Zustand der Autonomie eines Subjekts. Freiheit ist aber auch deshalb nicht einfach zu definieren, weil verschiedene Aspekte des Daseins betroffen sind. In den Artikeln des Grundgesetzes sind Diese explizit benannt, was die Bedeutung dieser Grundrechte als unabänderliches und unveräußerliches Gut hervorhebt. Neben der physischen Unversehrtheit sind hier insbesondere spirituelle und intellektuelle Freiheiten festgeschrieben.

Wie stellt sich für uns die aktuelle Situation in Mitteleuropa dar? 81 bzw. 37 Jahre nach der Befreiung von totalitären Regimen haben sich viele Menschen mit einer Situation arrangiert, in der die Freiheitsrechte vermeintlich selbstverständlicher Lebensbestandteil sind. Stabile Demokratien waren lange Jahre Garant für die Gewährleistung der genannten Grundrechte. Derzeit erleben wir eine zunehmende Radikalisierung in der politischen Landschaft Europas und der Welt, die zu einer Destabilisierung großer Demokratien führt. Der systematische Einsatz von Falschinformation und gezielte Hetze gegen Minderheiten fällt derzeit auf fruchtbaren Boden und führt zu einem Wählerzuspruch, der geeignet ist, mit demokratischen Mitteln jene an die Macht zu bringen, die die Demokratie abschaffen wollen. Wenn man die Demokratie als das politische System akzeptiert, das dem Menschen die größtmögliche persönliche Freiheit ermöglicht, stellt sich zwingend die Frage, wie man diese Freiheit erhält.

Hierfür braucht es starke Persönlichkeiten, die bereit sind Verantwortung für sich und die Gesellschaft zu übernehmen. Diese Menschen müssen in ihrem Handeln ausschließlich von dem Gedanken geleitet sein, für die gesamte Bevölkerung das Ziel der Freiheit zu erreichen. In der Geschichte gibt es eine Vielzahl von Beispielen, wie einzelne Menschen oder Gruppen sich für freiheitliche Ziele eingesetzt haben. Große Namen wie Mahatma Ghandi, Nelson Mandela oder Martin Luther King jr. stehen für bedingungslosen Einsatz für die Freiheit unterdrückter Menschen. Trotz Bedrohung durch die Unterdrücker verfolgten sie konsequent ihr Ziel. Nicht wenige bezahlten ihren Einsatz mit ihrem Leben. Ein Geschehen das sich leider Anfang des Jahres in Minneapolis wiederholt hat. Normale Bürger beweisen Mut, sich schwer bewaffneten Milizen entgegenzustellen um eine erneute Hatz auf Minderheiten zu verhindern.

In Europa sehen sich Demokratien zusätzlich mit einer Bedrohung von außen konfrontiert. Seit Jahren wehrt sich die Ukraine gegen den Überfall von Putins Armee. Täglich erleiden die Bürger zermürbende Raketen- und Drohnenangriffe und dennoch hält die Bevölkerung seit nunmehr 4 Jahren dem Angriff stand. Eine Kapitulation wäre für sie gleichbedeutend mit dem Verlust jeder Freiheit. Zweifelsohne ist es nur eine Frage der Zeit, bis Putin seine Hand weiter nach Westen ausstreckt und NATO-Staaten angreift. Wie werden sich dann die Regierungen und die Bevölkerung in Westeuropa verhalten? Sicher wird sich dann jeder Einzelne und wir uns gemeinsam als Bevölkerung einer freiheitlichen Demokratie dem Aggressor entgegenstellen müssen. Wer Freiheit bewahren will, muss bereit sein für sie einzustehen. Es gilt den Wert der Würde des Menschen über Angst und Kontrolle zu stellen. Wie dies geschieht, wird jeder für sich selbst herausfinden müssen, denn Freiheit zu bewahren ist nicht kostenlos – aber Freiheit ist unbezahlbar.

„Und wenn Ihr Euch entschieden habt, dann handelt“
Christoph Probst, Entwurf zu einem Flugblatt der Weißen Rose, 1943